Warum bin ich durchgefallen?

Du hast also deine Klausur nicht bestanden, und jetzt möchtest du wissen, woran das lag? Von mir? Und dir kommt nicht der Gedanke, dass ich mich das auch frage: Warum fallen die durch, obwohl ich sie tiptop vorbereitet hab und die Klausur nicht schwer gewesen ist?

Wobei: Wenn man ein Fach seit mehreren Jahren unterrichtet, hat man nicht mehr wirklich ein Gespür dafür, ob es schwer ist. Man selber kann es ja.

Meiner Erfahrung nach teilen sich die Studierenden, die durch die Klausur fallen, im Wesentlichen in drei Gruppen:

  • Bei Gruppe 1 weiß auch ich nicht, woran es lag. Das sind Studierende, die immer anwesend sind, sich aktiv am Unterricht beteiligen und dort gute Beiträge leisten. Müsste man vorab auf das Ergebnis wetten, wären diese Leute eine sichere Bank für ‚Bestanden‘. Und dann: epic fail. Meistens haben diese Leute Probleme mit Prüfungssituationen: tatsächliche Prüfungsangst, oder die Unfähigkeit, das Gelernte in der geforderten Art wiederzugeben. Beides kann man bearbeiten, aber das sind Themen für andere Beiträge.
  • Gruppe 2 sind die, wo man es vorher wusste: hohe Fehlzeiten, ständig abgelenkt, im Großen und Ganzen desinteressiert. Meist betrachtet diese Gruppe BWL als notwendiges Übel, um in Medizin, Medien, Mode, oder welchen Management-Schwerpunkt auch immer sie gewählt haben, weiterzukommen und vergessen dabei, dass sie eben nicht Medizin studieren, sondern GesundheitsMANAGEMENT. Man fragt sich, was die dachten, was das wohl ist. Die wachen manchmal auf nach der ersten versemmelten Klausur und bestehen in der Regel im 2. Anlauf.
  • Gruppe 3 – ja, es ist nicht nett, aber in Gruppe 3 fallen diejenigen Studierenden, bei denen man als Lehrbeauftragte hofft, dass sie durchfallen. Und dass sie den richtigen Schluss daraus ziehen: Wechsel das Fach, oder besser: Mach eine betriebliche Ausbildung. Manche Menschen sind nicht dafür gemacht, sich zuerst jahrelang mit der Theorie zu beschäftigen, sondern gehören in die Praxis. Und das ist gut so, da muss man sich nicht jahrelang quälen! Wenn dir das Lernen derartig schwer fällt, frag dich: Warum tue ich mir das an? Unglücklicherweise haben viele Mitglieder dieser Gruppe einen unheimlich langen Atem. Vielleicht mussten sie sich schon immer etwas mehr anstrengen und wissen gar nicht, dass Lernen auch Spaß machen kann. Vielleicht machen die Eltern Druck, oder sie wissen genau, was sie beruflich erreichen wollen, und das BWL-Studium ist der nächste Schritt dahin. Manchmal platzt bei diesen Studierenden irgendwann der Knoten und sie finden einen Zugang zum Fach. Wenn ich mit diesem Blog einen Beitrag dazu leisten kann, dann freut mich das. Andere  brechen das Studium nach zähem Kampf doch irgendwann ab oder machen nach dem Bachelor endlich die handwerkliche Lehre. Diesen jungen Menschen wünsche ich früher mehr Mut, ihren Weg zu gehen. Auf jeden Fall werden dir deine BWL-Kenntnisse nicht schaden, also nimm dieses Wissen mit!

In welche Gruppe du fällst, weiß ich nicht. Mach von der Möglichkeit der Einsichtnahme Gebrauch, und bereite dich gut auf deinen Nachschreibtermin vor. Denn auch wenn es jetzt gerade nicht so aussieht: Am Ende bist du vielleicht noch froh, dass du im ersten Anlauf nicht mit 4,0 bestanden hast.

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