Punkte verschenken für Anfänger oder: Formatvorgaben für die Hausarbeit

Punkte verschenken für Anfänger: Formatvorgaben

Die Kritik ist nicht neu: Wir Prüfer betreuen unsere Schreiberlinge nicht ordentlich, aber reiten darauf rum, wenn Schriftgrößen oder Zeilenabstände bei Haus- oder Abschlussarbeiten nicht korrekt sind. Geäußert vor allen Dingen von Studierenden, die

  1. sich keinen Rat einholen, wenn sie Probleme mit ihrer Arbeit haben,
  2. noch nie 30 Seiten in Arial 10 Punkt mit einfachem Zeilenabstand ohne Korrekturrand gelesen und korrigiert haben und
  3. noch nie ein Manuskript von einem Verlag postwendend zurückbekommen haben, weil dort keiner Bock oder Zeit hat, ihr Geschreibsel in die richtige Druckvorlage umzuwandeln.

Du willst gar nie irgendwas veröffentlichen? Dann lass es. Aber die Hochschulausbildung ist ja nun einmal eine, in der das eigentlich ein wichtiger Bestandteil ist. Also wechsle in eine betriebliche Ausbildung oder richte dir endlich eine Formatvorlage ein, in der du Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstände, Seitenränder und Gliederungsvorgabe deiner Hochschule abspeicherst!

Kling ich zickig? Tut mir leid, ich habe Korrekturkoller. Da musst du jetzt durch.

Wozu gibt es überhaupt Formatvorgaben?

Berechtigte Frage. Eine Antwort habe ich oben schon angedeutet: Der Wissenschaftsbetrieb lebt (auch) von der Publikation seiner Ergebnisse. Und jeder Verlag macht seinen Autoren Formatvorgaben. Es ist ein Lernziel eurer Ausbildung, damit umgehen zu können. Und gebt euch keinen Illusionen hin. Es kann euch auch im Job passieren, dass einer sagt: Schreib mal einen Artikel für die Hauszeitung. Mach den Report hübsch für den Chef. Reich mir deine Rede bitte auch schriftlich ein, damit ich sie veröffentlichen kann. Man bricht sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man dann die Bitte um ein bestimmtes Format erfüllt und den Kollegen die Arbeit abnimmt, alles noch formatieren zu müssen. Wer freundlich ist, kommt weiter.

Deshalb hier etwas zu deiner Erheiterung:

Einige Vorgaben dienen der Lesbarkeit. Viel Text so intensiv zu lesen, dass man ihn bewerten kann, ist anstrengend. Eine Schriftgröße von 11 oder 12 Punkt, ein anderthalbfacher Zeilenabstand und ein gewisser Korrekturrand sind schlicht und ergreifend das, was man als Korrektorin braucht.

Die Vergleichbarkeit von Arbeiten wird mit Vorgaben über den Umfang erhöht. Und da liegt der Teufel im Detail. Ist die Vorgabe eine Seitenzahl, muss natürlich bestimmt werden, wie eng eine Seite beschrieben werden darf. Süß finde ich z.B., wenn die Mindestseitenzahl dadurch vorgetäuscht wird, dass man die Schriftgröße auf 14 setzt, den Zeilenabstand auf 2, super breite Ränder und am besten noch die Laufweite der Schrift ändert. Wo ich mich ja frage: Denken die, dass das nicht auffällt? Das ist wie das Foto der hübschen Freundin bei Tinder einzustellen und zu hoffen, der Typ merkt’s besoffen nicht. Ich trinke beim Korrigieren nicht. Außer, es wird ganz schlimm. Aber lassen wir das…

Über Seitenzahlen als Vorgabe kann man sicher streiten. Es gibt Themen, die mehr Raum brauchen als andere. Aber letztlich ist auch das eine Kompetenz, die man erwerben kann: Themen genau so lang auszuwalzen wie man Platz hat. Das kann man lernen. Ich weiß z.B. mittlerweile ziemlich genau, wie viel Inhalt ich bei meinem Schreibstil in 500 Wörter packen kann. Und so kann ich abschätzen, was in 30.000 Wörter passt. Und wenn ich das Gefühl habe, das wird nichts, dann lasse ich es. Oder ich ändere das Thema.

Manche Hochschulen geben statt Seitenzahlen vor, wie viele Wörter oder Zeichen die Arbeit umfassen darf. Dann kann man mit dem Layout etwas mehr rumspielen. Denk aber beim Rumspielen trotzdem daran, dass jemand die Arbeit lesen soll.

Last, but not least, sind die Formatvorgaben eine Möglichkeit, sich schnell und leicht ein paar Punkte zu verdienen. Verdammmichnocheins, das Format kann 5, 10 oder gar 15 Prozent der Note ausmachen! Statt zu beweisen, dass die Vorgaben eigentlich unnötig sind, nimm die Punkte doch einfach mit, indem du die Vorgaben einhältst!

Was wird denn überhaupt verlangt?

Schrift und Umfang haben wir abgehakt.

Aufbau der Arbeit

Ganz allgemein ist der Aufbau einer empirischen Arbeit:

  • Zusammenfassung
  • Inhaltsverzeichnis
  • Abbildungsverzeichnis
  • Glossar
  • Einleitung
  • Literaturteil
  • Empirischer Teil
  • Diskussion (Zusammenführung von Literatur und Empirie)
  • Fazit
  • Literaturverzeichnis
  • Andere Anhänge

Die Hochschule macht dir vermutlich Vorgaben, wie die Nummerierung auszusehen hat. Zum ‚Körper‘ der Arbeit zählen nur die Kapitel zwischen Einleitung und Fazit, d.h. auf diese Kapitel beziehen sich die Vorgaben für die Länge der Arbeit. Auch für die Bezeichnung der Unterkapitel kann es Vorgaben geben. Es gibt Formatvorlagen in Word, in denen die Gliederung voreingestellt ist, und die dir beim Schreiben die Kapitel durchnummerieren sowie die Seitenzahlen ins Inhaltsverzeichnis übernehmen. Spiel damit bei deinen Hausarbeiten rum, dann kannst du es bei der Bachelorarbeit.

Arbeiten ohne empirischen Teil sehen genau so aus, nur, dass sie keinen empirischen Teil haben. Die Kapitel Einleitung und Fazit werden meist nicht umbenannt, manchmal lass ich auch ‚Diskussion‘ als Titel stehen. Literaturteil und empirischer Teil bekommen griffige Titel, die zum Thema der Arbeit passen, und können mehrere Kapitel umfassen. Auf keinen Fall nennst du diese Kapitel ‚Literaturteil‘, ‚Empirischer Teil‘ oder ‚Hauptteil‘.

Wie stark die Arbeit unterteilt wird, ist natürlich vom Thema und der genauen Vorgehensweise abhängig. Aber: Eine halbe Seite ist kein Kapitel!!! Sie ist schon ziemlich wenig für ein Unterkapitel. Sie ist o.k. als Einleitung eines Kapitels, bevor das erste Unterkapitel anfängt.

Gliederungsbeispiel Literaturarbeit: Mitarbeiterbindung für die Generation Y

Nicht so gelungen Besser
  1. Einleitung
  2. Definition Mitarbeiterbindung
  3. Grundlagen Mitarbeiterbindung
  4. Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung
  5. Generation Y
    1. Maßnahmen zur Bindung
  6. Fazit

 

  1. Einleitung
  2. Mitarbeiterbindung
    1. Definition
    2. Notwendigkeit und Herausforderungen
    3.  Theoretische Grundlagen
    4. Maßnahmen (Auswahl)
  3. Generation Y
    1. Definition & Eigenschaften
    2. Kritik des Konzepts Gen Y
    3. Anforderungen der Gen Y an Arbeitgeber
    4. Besondere Herausforderungen bei der Mitarbeiterbindung
  4. Maßnahmen zur Bindung der Gen Y (Hinweis: Dies ist das Kapitel ‚Diskussion‘, in dem die Kapitel 2 und 3 zusammengebracht und Ergebnisse formuliert werden)
  5. Fazit

Übrigens: Neue Hauptkapitel dürfen ruhig auf einer neuen Seite anfangen, das sieht einfach besser aus.

Gestaltung der Verzeichnisse

Dies betrifft das Abbildungs- und das Literaturverzeichnis. Abbildungen werden durchnummeriert. Im Verzeichnis steht die Nummer, der Titel und die Seitenangabe. Die Quelle wird im Untertitel der Abbildung zitiert und im Literaturverzeichnis angegeben.

Das Literaturverzeichnis. Quell ewiger Verwirrung. Was gehört rein, was nicht? Wie wird die Quelle angegeben? Ist eine Internetquelle Literatur?

Es gibt nur zweieinhalb Grundregeln:

  1. Die Quelle ist vollständig anzugeben
  2. Das Verzeichnis wird alphabetisch sortiert, und zwar nach den Nachnamen der Autoren.
    1. Daraus folgt: Das Verzeichnis wird weder nummeriert noch mit Bullet Points versehen!

Alles andere hängt davon ab, welche Zitierweise du benutzt, was die Vorgaben der Hochschule sind und welche speziellen Wünsche deine Betreuerin hat.

Oft wird das Literaturverzeichnis unterteilt in Literatur (Bücher, Journale etc.) und andere Quellen, z.B. Internetseiten, Videos oder Filme. Halte dich an die Vorgabe deiner Hochschule oder Betreuer. Ich persönlich lege auf diese Unterscheidung keinen besonderen Wert. Sie führt nur dazu, dass Studierende Artikel, die sie online gelesen haben, als Internetquelle deklarieren, obwohl es womöglich Klassiker der Fachliteratur sind. Das Internet ist nur ein Medium, die Qualität der Quelle ist es doch aber, was eigentlich zählt!

Auch, welche Quellen angegeben werden dürfen, ist unterschiedlich. Manchmal liest man ein Werk, um sich einen grundsätzlichen Überblick zu verschaffen, zitiert daraus aber nicht. Darfst du es dann angeben? Klär das. Meistens ist es nicht erlaubt.

Die vollständige Angabe der Quelle umfasst: Autor(en), Erscheinungsjahr, Titel, Edition, Verlag, evtl. Ort des Verlags. Bei Periodika (Journale, Zeitungen etc.) zusätzlich Titel der Publikation und Nummer der Ausgabe sowie bei Sammelbänden Herausgeber und Titel des Buchs. Der Sammelband ist dann ggfs. zusätzlich als Quelle anzugeben. Seitenzahlen können ebenfalls nötig sein.

Andere Arten von Quellen unterliegen grundsätzlich denselben Regeln, die entsprechend angepasst werden. Artikel im Internet haben auch einen Autor und erscheinen auf der Seite eines Verlags oder einer Fima. Zusätzlich wird die URL angegeben und das Datum, wann du diese Quelle genutzt hast. Das ist wichtig, da im Internet eine Quelle mit wenig Aufwand bearbeitet oder sogar gelöscht werden kann. Videos und Songs haben keine Seiten, aber man kann die zitierte Stelle in Minuten angeben.

Zitierweise

Wann immer du die Gedanken anderer Leute in deiner Arbeit benutzt, musst du die Quelle angeben. Das nennen wir zitieren. Vor allem der Literaturteil deiner Arbeit besteht in sehr großen Teilen aus Zitaten, da es ja deine Aufgabe ist, den Stand der wissenschaftlichen Literatur darzustellen. Gerade als Anfänger kannst du daher davon ausgehen, dass du deine Quellen noch viel öfter angeben musst, als du das derzeit zu tun pflegst.

Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten zu zitieren: Entweder du übernimmst eine Quelle im Wortlaut, als wörtliches oder direktes Zitat. Oder du übernimmst den Inhalt, formulierst ihn aber um. Das ist ein indirektes Zitat. Wörtliche Zitate werden in Anführungszeichen gesetzt. Die Quellenangabe erfolgt direkt dahinter. Indirekte Zitate dagegen erkennt man nur an deiner Quellenangabe. Umso wichtiger, dass du diese nicht erst am Absatz- oder (richtig übel) am Kapitelende nennst, sondern immer, wenn ein Gedanke übernommen wird.

Das kommt dir vielleicht komisch vor, wenn du dein ganzes Kapitel aus derselben Quelle übernimmst. Aber sieh das als Hinweis darauf, dass dein Literaturteil gerade nicht gut wird, denn sonst hättest du nicht nur eine Quelle für das ganze Kapitel. Dazu mehr an anderer Stelle.

Die Vorgabe zur Zitierweise bezieht sich also nicht darauf, ob und wann du zitierst, sondern auf die Art und Weise, wie du deine Quelle angibst. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manche nennen die Quelle in Klammern innerhalb des Textes, andere setzen Fußnoten. Keine Methode ist besser oder schlechter, es ist eher eine Frage der Gepflogenheit. Richte dich nach den Vorgaben deiner Hochschule.

Meistens mag man ja das, was man gewohnt ist. Und das geht mir nicht anders. Ich bevorzuge den Harvard-Stil. Im Text werden Autor, Jahr der Publikation und Seite angegeben, die vollständige Quelle steht im Literaturverzeichnis. Einigermaßen verbreitet in betriebswirtschaftlichen Studiengängen ist außerdem die Richtlinie der APA, der American Psychological Association, die die Quelle ebenfalls im Text nennt. In Deutschland wird jedoch normalerweise mit Fußnoten zitiert.

Dazu gilt: Die Fußnoten werden laufend durchnummeriert. Die Angabe im Text erfolgt als hochgestellte Ziffer. In der Fußnote wird die Quelle bei erster Verwendung vollständig angegeben, bei zwei Stellen aus derselben Quelle hintereinander mit Ders. abgekürzt. Details können von Hochschule zu Hochschule variieren.

Ich mag die Variante mit Fußnoten nicht, obwohl manche meinen, die sei besser lesbar. Aber mich stört es, wenn ich für die Quelle mit dem Blick ans Ende der Seite und dann wieder zurückwandern muss. Ich will sie ja wissen. Jetzt kann man natürlich sagen: Aber den Titel musst du doch dann im Anhang nachschlagen. Das stimmt. Aber das Literaturverzeichnis ist eh das Erste, was ich mir von deiner Arbeit angeguckt hab. Also weiß ich ja schon, welche Autoren und Werke als Quellen kommen können.

Wichtiger als die Zitierweise selbst ist, dass du dich für eine entscheidest und diese konsequent anwendest. Wichtig: Alle Quellen, die du zitierst, musst du selbstverständlich im Literaturverzeichnis aufführen!

Deckblatt und Eidesstattliche Versicherung

Deine Hochschule hat sicher Vorgaben, welche Infos auf dem Deckblatt stehen müssen. Das hat teilweise mit prüfungsrechtlichen Dingen zu tun, halt dich einfach dran. Und die Textvorlage für die Eidesstattliche Versicherung, dass du die Arbeit selbst geschrieben hast, gehört bei Arbeiten, die zuhause ohne Kontrolle angefertigt werden, an vielen Unis bereits für Hausarbeiten dazu. Manche verlangen das erst bei der Abschlussarbeit. Denk daran, dass du die dann in der ausgedruckten Arbeit noch unterschreiben musst!

Rechtschreibung & Grammatik, Fachsprache

BITTE! Bittebittebittebittebittebitte: Schalte die Rechtschreibprüfung ein! Lass jemanden deine Arbeit gegenlesen, der sicher in Zeichensetzung ist! Und prüfen kann, ob deine Sätze verständlich sind. Es sieht einfach nachlässig aus, wenn du das nicht machst, und es zieht deine Gesamtbewertung runter.

Sprachlicher Ausdruck und Fachsprache sind nicht so leicht. Manche schreiben von Natur aus gut, andere tun sich einfach schwer. Mein Rat: Versuch nicht, krampfhaft schlau zu klingen. Mit der Benutzung von fachlichem Vokabular zeigst du, dass du ‚dazugehörst‘. Wie Mediziner und Juristen Latein sprechen, so sprechen Manager und Betriebswirte Denglisch. Aber benutz Fachbegriffe nur, wenn du weißt, was sie bedeuten. Sonst benutzt du sie in seltsamen Zusammenhängen oder falsch, und das merkt man doch als Leserin! Sag es dann lieber Deutsch, drück dich einfach aus.

Ich weiß, ich rate dir damit das Gegenteil von dem, was viele KollegInnen dir wahrscheinlich sagen. Viele folgen der Auffassung: Wenn ich das nicht verstehe, muss das kompliziert sein, also ist der andere total schlau. Aber das ist nicht notwendigerweise der Fall. Verschwurbelt zu reden kann auch heißen, dass man selber Chaos im Kopf hat und nur nachplappert, was andere geschrieben haben. Oder wie Albert Einstein es angeblich formuliert hat:

Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht gut genug verstanden.“

Das ist keine Erlaubnis, nachlässig zu formulieren. Schauen statt gucken, hervorragend statt super. Es gibt viele Möglichkeiten, seinen Stil zu verbessern, ohne sich komplett zu verbiegen.

So, ich habe bestimmt irgendwas vergessen, aber das Wichtigste ist eh, dass du dich mit den Vorgaben deiner Ausbildungsstätte vertraut machst. Sieh das Format nicht als Gängelei, sondern als Struktur, innerhalb derer du dich nur noch um den Inhalt kümmern musst. Das ist nämlich noch mehr als genug Arbeit.

Viel Spaß dabei!

Weiterführende Literatur:

Karmasin, M. & Ribing, R. (2014) Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten. 8. Auflage. Stuttgart: UTB.

2 Gedanken zu „Punkte verschenken für Anfänger oder: Formatvorgaben für die Hausarbeit

  • 22. Februar 2017 um 18:23
    Permalink

    Da gibt man meinem Semester ein seitenreiches „Handbuch zum Wissenschaftlichen Arbeiten“ und da kommt eine „Frau die BWL macht“ daher und schafft es, selbiges Thema kürzer, verständlicher, strukturierter und interessanter zu gestalten.

    Herzlichen Glückwunsch.

    Ihr Artikel/ Blog wurde soeben von mir als Link in meine „Liste-mit-wichtigen-Links-fürs-Studium“ aufgenommen 😉

    Antwort
    • 22. Februar 2017 um 19:06
      Permalink

      Ganz herzlichen Dank! Für euch mach ich das hier ja 🙂

      Antwort

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