Durch den Advent mit BWL, Tag 21: Optimierung der Bestellmenge

Teilziel der Beschaffung: Reduzieren der Beschaffungs- und Lagerkosten

Sowohl die Reduzierung der Beschaffungskosten als auch die Senkung der Lagerkosten sind Teilziele der Beschaffung. Teile der Kosten entwickeln sich jedoch gegenläufig, so dass das Ziel nicht sein kann, einfach alle Kosten so weit wie möglich zu reduzieren. Weitaus häufiger geht es darum, das optimale Verhältnis der Kostenpositionen zu finden.

Optimale Bestellmenge nach Andler. Bichler & Schröter (1995), S. 31.

Die Gesamtkosten der Beschaffung setzen sich zusammen aus: dem Materialwert (x*p), den Kosten für den Bestellvorgang (Kf*B/q) und den Kosten für das Lager (q*p/2*kL). Während wir zur Vereinfachung so tun, als hätte die Bestellmenge q keine Auswirkungen auf den Materialpreis p (es gibt also keine Mengenrabatte o.ä.), besteht zwischen Bestellkosten KB und Lagerkosten KL ein umgekehrt proportionaler Zusammenhang: Je mehr Einheiten unseres Produkts wir pro Bestellung nachbestellen, desto seltener müssen wir bestellen, also sinken die Bestellkosten insgesamt. Auf der anderen Seite brauchen wir aber mehr Platz im Lager und binden dort auch mehr Kapital, die Lagerkosten steigen also mit der Bestellmenge.

Zur Optimierung der Kosten wollen wir herausfinden, wie viel Stück unseres Materials wir bei jedem Bestellvorgang nachbestellen müssen, um den Punkt zu finden, an dem die Summe aus Bestellkosten und Lagerkosten am niedrigsten ist (siehe Darstellung oben). Die Gesamtkosten der Beschaffung berechnen wir wie folgt:

Dabei gilt:

  • B = Jahresbedarf an Material
  • p = Preis des Materials pro Einheit (frei Lager, d.h. inkl. aller Kosten für Versand etc.)
  • q = Menge des bestellten Materials je Bestellvorgang
  • Kf = Bestellkosten für einen Bestellvorgang
  • KL = Zins- und Lagerkosten, zusammengefasst in einem Prozentsatz (vom gebundenen Material)

Wenn wir die Formel umstellen nach q, erhalten wir die Formel für die optimale Bestellmenge, die so genannte Andler-Formel:

Das Ergebnis sagt uns, wie viele Einheiten eines Materials je Bestellung bestellt werden sollten, damit die Gesamtkosten der Beschaffung minimiert werden. Außerdem können wir jetzt leicht ausrechnen, wie oft wir pro Jahr bestellen müssen. Dafür teilen wir den Jahresbedarf durch die optimale Bestellmenge: Optimale Bestellhäufigkeit mopt = Jahresverbrauch B / optimale Bestellmenge qopt.

 

Kritik

Wie schon erwähnt, berücksichtigt diese Vorgehensweise nicht, dass Materialpreise von der Bestellmenge abhängen können. Sie ignoriert auch saisonale Preisschwankungen. Des Weiteren werden weder Mindestabnahme noch Fehlmengen oder der maximale Lagerplatz berücksichtigt. Das Modell geht von stabilem Verbrauch und damit Lagerabgang aus. Die Berechnung der Lagerkosten als Prozentsatz vom gebundenen Kapital bedeutet, dass die Lagerkosten vom Materialpreis abhängen, das ist durchaus kritisch zu sehen. Insgesamt ist diese Vorgehensweise trotzdem weit verbreitet, weil es wahrscheinlich unwirtschaftlich wäre, alle Eventualitäten in der Berechnung zu berücksichtigen. Stell dir nur mal vor, wie die Formel aussehen würde, wenn verschiedene Materialpreise berechnet würden! Das geht alles, aber der Aufwand muss sich auch lohnen. Wenn wir nicht mehr Geld einsparen, als der Controller für die Berechnung bekommt, ist die Optimierung der Kosten unwirtschaftlich.

Apropos Optimierung der Kosten: Um die Einsparungen zu berechnen, die durch die Optimierung der Bestellmengen möglich sind, berechnest du die Kosten einmal mit den ‚alten‘ Werten für q und einmal mit qopt. Wenn die Kosten jetzt nicht niedriger sind als vorher, hast du dich irgendwo verrechnet 😉

 

Quelle:

Vahs, D. & Schäfer-Kunz, J. (2012): Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 6. Auflage, Stuttgart: Schäffer-Poeschel, S. 661-663.

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