Durch den Advent mit BWL, Tag 8: Rentabilitätskennzahlen

Zur Beurteilung eines Unternehmens werden neben den absoluten Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn oder Deckungsbeitrag auch relative Kennzahlen herangezogen. Relative Kennzahlen setzen zwei Größen miteinander ins Verhältnis. Das bedeutet rechnerisch, dass man eine Kennzahl durch die andere teilt. Dabei werden die Ertragskennzahlen miteinander, mit Kapitalpositionen oder Kapitalarten miteinander verglichen, so dass es eine Vielzahl an Kennzahlen gibt, die unterschiedlich aussagekräftig sind. Man beurteilt ein Unternehmen möglichst nie anhand einer einzigen Kennzahl, sondern schaut sich an, wie die Kennzahlen zusammen aussehen und wie sie sich im Zeitablauf verändern. So kann es ja z.B. sein, dass der Umsatz steigt, die Kosten aber im Verhältnis dazu überproportional mit ansteigen, so dass der Gewinn trotzdem sinkt. Wenn gleichzeitig der Wert des Unternehmens in den Keller rauscht, kann ironischerweise die Kapitalrentabilität ansteigen. Je nachdem, auf welche Kennzahl man schaut, stellt sich dann das Unternehmen ganz unterschiedlich dar.

Die verschiedenen Kennzahlen können aufeinander direkten, indirekten oder überhaupt keinen Einfluss haben. Um die Zusammenhänge deutlich zu machen, gibt es so genannte Kennzahlensysteme. In diesen wird bildlich dargestellt, wie die Kennzahlen berechnet werden und aufeinander aufbauen. Eines dieser Kennzahlensysteme ist das DuPont-Schema. Das ist schon knapp 100 Jahre alt, wird aber immer noch angewendet, allerdings etwas modernisiert, da im ursprünglichen Modell zu verzinsendes Fremdkapital nicht vorgesehen war.

Rentabilität

Rentabilitätskennzahlen setzen den Erfolg einer wirtschaftlichen Tätigkeit ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Die Grundidee kennen wir aus dem Ökonomischen Prinzip. Der Erfolg wird üblicherweise in Geld gemessen und durch den Gewinn angegeben. Wobei jeweils spezifiziert werden muss, welcher Gewinnbegriff (Operativer Gewinn, Jahresüberschuss, vor oder nach Steuern) benutzt wird. Der Kapitaleinsatz dagegen kann alles Mögliche sein, je nachdem, welche Rentabilität wir uns anschauen. Das ist ein Vorteil beim Lernen, denn die Rentabilität heißt immer so, wie das, was im Nenner der Formel steht, also unter dem Bruchstrich.

Drei wichtige Rentabilitätskennzahlen sind:

  1. Die Gesamtkapitalrentabilität (Return on Investment, ROI), mit der wir den Gesamterfolg einer Tätigkeit beurteilen können. Manchmal wird gesagt, dies sei die ‚Verzinsung‘ des eingesetzten Kapitals, allerdings trifft der Begriff sehr viel besser auf die Eigenkapitalrentabilität zu. Der ROI wird auch benutzt, um Einzelentscheidungen wie Investitionen oder Erfolg von Marketingkampagnen zu beurteilen. ROI = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital
  2. Die Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity, ROE), mit der beurteilt werden kann, ob sich eine Tätigkeit für die Eigentümer lohnt. Das kann z.B. wichtig für Aktionäre wichtiger sein als die Gesamtkapitalrentabilität. ROE = Gewinn / Eigenkapital
  3. Die Umsatzrentabilität (Return on Sales, ROS), die angibt, wieviel Prozent des Umsatzes das Unternehmen als Gewinn behält und Rückschlüsse auf die Wirtschaftlichkeit erlaubt. ROS = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / Umsatz

Hinweis: Wie auf dem Bild zu sehen, wird der ROI im DuPont-Schema etwas anders errechnet als eben besprochen, nämlich ROI = Umsatzrentabilität * Kapitalumschlag. Wenn man diese Formel auflöst in die Bestandteile von Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag, lautet sie:

ROI = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / Umsatz * Umsatz / Gesamtkapital

Jetzt kürzt man den Umsatz raus, und übrig bleibt: ROI = (Gewinn + Fremdkapitalzinsen) / Gesamtkapital, also alles wie immer. 😀

Übung: Wie hoch sind Kapitalumschlag, Gewinn und Return on Investment, wenn Anlagevermögen von 350.000 € und Umlaufvermögen von 140.000 € ein Umsatz von 630.000 € sowie Kosten von 410.000 € gegenüber stehen?

Bild: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1151653 . Danke!

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