Durch den Advent mit BWL, Tag 7: Aufbau der Bilanz

Die Bilanz

Buchführungspflichtige Unternehmen (wobei ‚buchführungspflichtig‘ bedeutet: zur doppelten Buchführung verpflichtet) müssen nicht nur ihren Gewinn ermitteln, sondern auch den Wert des Unternehmens. Beides muss im Jahresabschluss des Unternehmens dargestellt werden, der daher aus mindestens den zwei Teilen Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) besteht. Die GuV ist eine Zeitraumbetrachtung, sie zeigt auf, wie und wodurch sich der Wert des Unternehmens im Geschäftsjahr verändert und ermittelt aus Erträgen und Aufwendungen den Gewinn. Die Bilanz dagegen ist eine Zeitpunktbetrachtung und zeigt das Vermögen des Unternehmens an einem bestimmten Tag, nämlich dem letzten Tag des Geschäftsjahres. Man kann auch aus dem Vergleich zweier Bilanzen den Gewinn ermitteln, weil dieser das Eigenkapital verändert, aber man müsste dafür jedes Mal eine neue Bilanz erstellen, da ist die laufende Ertrags-Buchhaltung die bessere Quelle. Der Jahresabschluss und seine Bestandteile werden im Handelsgesetzbuch (HGB) geregelt. Es lohnt sich, da mal einen Blick reinzuwerfen.

Im Detail richten sich die Vorschriften zu den einzelnen Posten der Bilanz nach der Größe und Rechtsform des Unternehmens, aber der grundsätzliche Aufbau ist für alle gleich, und den wollen wir uns jetzt mal anschauen und uns bei der Gelegenheit klarmachen, warum die Bilanz eigentlich so aufgebaut wird.

In der Bilanz finden wir zwei wichtige Arten von Informationen:

  1. Was besitzt das Unternehmen an Vermögen?
  2. Was ist das Vermögen im Einzelnen und insgesamt wert?
  3. Woher kam das Geld dafür?

Die ersten beiden Fragen werden zusammen beantwortet: Grundstück 15.000.000 €, Geld in der Kasse: 50 €.

Der Übersichtlichkeit halber wird die dritte Frage getrennt davon dargestellt, sodass wir in der Bilanz zwei ‚Seiten‘ finden: die Aktiva und die Passiva. Die Aktiva stehen je nach Darstellung links oder oben, die Passiva rechts oder unten.

Die Aktiva zeigen die Zusammensetzung des Vermögens, also wohin Geld geflossen ist. Man nennt das die Mittelverwendung, also z.B. unser Grundstück mit 15 Mio. € Wert und die 50 € in der Kasse. Die Passiva zeigen, ob das Geld dem Unternehmen selbst gehört (Eigenkapital) oder ob das Grundstück über einen Kredit finanziert wurde (Fremdkapital), also die Mittelherkunft.

Einfaches Bilanzschema
Aktiva Passiva
Mittelverwendung Mittelherkunft
Aufbau:

Anlagevermögen

Umlaufvermögen

Aufbau:

Eigenkapital

Fremdkapital

Die Reihenfolge, in der die einzelnen Posten aufgeführt werden, richtet sich bei den Aktiva nach der Verwertbarkeit im Sinne von: Wie schnell könnten wir diese Position zu Geld machen? Unser Grundstück stünde demnach oben und die Kasse unten. Es wird zwischen Anlagevermögen und Umlaufvermögen unterschieden. Zum Anlagevermögen gehören immaterielle Werte wie Patente oder Rechte, Sachanlagen und langfristige Finanzanlagen wie z.B. Beteiligungen. Das Umlaufvermögen beinhaltet die produzierten Waren im Lager, Rohstoffe, Geldmittel, Forderungen etc. Außerdem gibt es noch Rechnungsabgrenzungsposten, z.B. für im Voraus bezahlte Rechnungen und einen Posten für latente Steuern.

Auf der Passivseite wird das Kapital nach Fristigkeit dargestellt. Also Eigenkapital ganz oben, dann Rückstellungen, langfristige Verbindlichkeiten und kurzfristige Verbindlichkeiten. Analog zur Aktivseite gibt es ggfs. Rechnungsabgrenzungsposten und latente Steuern. Eine ganz gute Übersicht zu den genauen Gliederungsvorschriften bietet rechnungswesen-info.de.

Ein ganz wichtiger Grundsatz lautet: Wenn man alle Aktivposten addiert muss dasselbe Ergebnis herauskommen wie wenn man alle Passivposten addiert, die ‚Bilanzsumme‘. Und die ist auf beiden Seiten gleich. Denn auf der Aktivseite kann eigentlich nichts stehen, für das wir kein Geld von der Passivseite bekommen haben. Deshalb auch die so genannte ‚doppelte Buchführung‘. Bei jedem Geschäftsvorgang müssen wir genau angeben, welche Bilanzposten betroffen sind.

Und natürlich gibt es auch hier Ausnahmen von der Regel, aber die sind ein Thema für ein anderes Mal.

So, jetzt gehe ich unterrichten. Habt einen schönen Tag!

Eure Frau Junge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: