Durch den Advent mit BWL, Tag 6: Erste Kennzahlen

Monetäre Unternehmensziele

Unternehmen existieren zwar, um die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen, aber das Erfüllen der Kundenbedürfnisse ist für Unternehmen nicht der alleinige Sinn der Arbeit. Wir haben Unternehmen definiert als Betriebe in privater Hand, die gewinnorientiert arbeiten. Der Gewinn ist der Lohn des Unternehmers für die geleistete Arbeit und das Risiko, das damit einhergeht, wenn man selbständig ist, ein Unternehmen aufbaut, Arbeitsplätze schafft. Gewinn sichert aber auch die Zukunft des Unternehmens, denn nur, wenn Geld ‚übrig‘ ist, kann das Unternehmen Investitionen tätigen, Rücklagen für schlechte Zeiten bilden oder Kredite zurückzahlen. Und das gilt für den kleinen Handwerksbetrieb um die Ecke ebenso wie für multinationale Großkonzerne.

Natürlich muss ein Handwerker aber anders wirtschaften als Nestlé oder Apple. Entsprechend gibt es für die Gewinnermittlung unterschiedliche Vorschriften, die sich an der Rechtsform, dem Umsatz und der Internationalität eines Unternehmens orientieren. Wir gehen an dieser Stelle nicht auf unterschiedliche Vorschriften und Begriffe ein. Hier soll es zunächst darum gehen, dass wir ein Grundverständnis davon entwickeln, wie Gewinn ermittelt wird.

Und das ist denkbar einfach:

Gewinn = Erlös – Kosten

Oder in Kurzform: G = E – K

Der Erlös ist der Betrag, den wir mit dem Verkauf unserer Produkte umsetzen. Und die Kosten sind alles, was wir davon bezahlen müssen.

Dabei gilt: Erlös = Preis * Stück   ⇒   E = p * x   und

Kosten = fixe Kosten + variable Kosten   ⇒   K = Kf + Kv

Der Erlös berechnet sich aus den verkauften Stückzahlen und dem durchschnittlichen Verkaufspreis. Die Kosten setzen sich zusammen aus fixen und variablen Kosten.

Fixkosten

Fixkosten sind unabhängig davon, ob und wie viel wir produzieren, sie fallen auch dann an, wenn wegen eines Unfalls die Maschinen stillstehen und wir gar nicht produzieren können. Typische Beispiele für Fixkosten sind die Miete, ein Großteil der Personalkosten, Investitionskosten etc. Die Fixkosten sind der Grund dafür, dass Unternehmen häufig versuchen, möglichst viel zu verkaufen. Denn je mehr Stück wir herstellen, auf die wir die Fixkosten verteilen können, desto günstiger wird die Herstellung eines Stücks. Man nennt das die Fixkostendegression: Die Fixkosten pro Stück sinken, wenn die Produktionsmenge steigt. Die Gesamtfixkosten bleiben natürlich gleich.

Fixkosten können sich aber trotzdem verändern. Wenn z.B. die Miete angehoben wird, oder die Gewerkschaft ein höheres Grundgehalt für die Mitarbeiter aushandelt, steigen die Fixkosten einmal an und bleiben dann auf dem neuen Niveau wiederum unabhängig von der produzierten Menge (’sprungfixe Kosten‘). Auch Kapazitätsausweitungen erhöhen normalerweise die Fixkosten. Um die Fixkosten pro Stück auszurechnen, teilst du einfach die gesamten Fixkosten durch die produzierte Stückzahl (kf = Kf / x) und denkst daran, dass du sie jedes Mal neu berechnen musst, wenn sich x ändert.

Variable Kosten

Wie ihr Name sagt, sind diese Kosten variabel und nicht fix, und zwar hängen sie direkt mit der Menge der produzierten Güter zusammen. Der normale Verlauf ist dabei, dass die variablen Kosten steigen, wenn wir mehr produzieren. Das wichtigste Beispiel für variable Kosten ist das verbrauchte Material. Je mehr produziert wird, desto mehr Material wird verbraucht, desto höher sind die variablen Kosten. Da die variablen Kosten abhängig von der Stückzahl sind, berechnet man sie so:

Kv = kv * x.

Die Gesamtkostenformel können wir dann wie folgt ergänzen:

K = Kf + kv * x

Wenn wir das in die Gewinnformel einsetzen, dann sieht das so aus:

G = p * x – (Kf + kv * x)

Das sieht doch gleich viel beeindruckender aus! Bedeutet aber genau dasselbe wie G = E – K.

 

Der Deckungsbeitrag

Der Deckungsbeitrag ist eine der wichtigsten Kennzahlen für das betriebliche Controlling. Er hilft uns, nicht nur das gesamte Unternehmen zu beurteilen, sondern einzelne Produkte. Vor allem, wenn das Unternehmen als Ganzes Gewinn erzielt, fällt einem manchmal gar nicht auf, wenn ein Produkt sich eigentlich nicht mehr lohnt. Und dass sich ein Produkt nicht mehr lohnt, nehmen wir dann an, wenn es nicht einmal mehr seine variablen Kosten einbringt. Um das herauszufinden, zieht man den Deckungsbeitrag heran:

Deckungsbeitrag = Erlös – variable Kosten   ⇒   DB = E – Kv

Oder auch: DB = p * x – kv * x

Der Deckungsbeitrag pro Stück ist entsprechend:

Stückdeckungsbeitrag = Verkaufspreis – variable Stückkosten   ⇒   db = p – kv

 

Der Break-Even-Point

Wenn wir wissen, wie hoch unsere Kosten sind, können wir berechnen, wie viel Stück unseres Produkts wir verkaufen müssen, um überhaupt Gewinn zu machen. Der so genannte Break-Even-Point ist die verkaufte Stückzahl, bei der alle Fixkosten eingenommen wurden und die bis dahin entstandenen variablen Kosten. Der Gewinn ist dann 0 €. Oder als Formel: 0 = E – K.

Es gilt daher am Break-Even-Point: E = K

Oder auch: p * x = Kf + kv * x

Lösen wir diese Formel nach x auf, dann sieht das so aus:

x = Kf / (p – kv)

Was gleichbedeutend ist mit x = Kf / db   ⇒   Break-Even-Point = Fixkosten geteilt durch Stückdeckungsbeitrag

Oberhalb des Break-Even-Points müssen vom Umsatz nur noch die neu entstehenden variablen Kosten bezahlt werden, was übrigbleibt, ist der Gewinn.

Der sichere Umgang mit diesen Begriffen ist die Grundlage für alle weiteren Berechnungen. Alles, was es sonst noch gibt, lässt sich auf diese wenigen Grundformeln zurück führen. Wenngleich nicht alles so einfach nachvollziehbar sein wird wie diese Grundlagen. 😉

4 Gedanken zu „Durch den Advent mit BWL, Tag 6: Erste Kennzahlen

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