Durch den Advent mit BWL, Tag 4: Das Ökonomische Prinzip

Wirtschaftliches Handeln

Da wir nicht alle Bedürfnisse zu jeder Zeit in vollem Umfang bedienen können, sind wir ständig wir ständig gefordert, Entscheidungen zu treffen. Lerne ich heute BWL oder geh ich auf den Weihnachtsmarkt? Nehme ich die Daunenjacke oder die Gore-Tex? Kauf ich online oder im Geschäft? Bezahl ich bar oder mit Karte?

Dasselbe gilt natürlich auch für Betriebe. Dort muss u.a. darüber entscheiden werden:

  • Was wollen wir herstellen?
  • In welchen Mengen produzieren wir unser Produkt?
  • An wen verkaufen wir es?
  • Nach welchen Kriterien bestimmen wir den Verkaufspreis?
  • Wo verkaufen wir unser Produkt?
  • Wie führen wir unsere Mitarbeiter?
  • Zahlen wir alle Gewinne an die Teilhaber aus oder investieren wir in neue Produkte?
  • Wann nehmen wir ein Produkt wieder vom Markt?
  • Und so weiter, und so weiter…

Das Umgehen mit knappen Gütern zur Befriedigung von Bedürfnissen nennen wir wirtschaften, die Gesamtheit der damit verbundenen Prozesse bilden unsere Wirtschaft. Als Wirtschaft bezeichnen wir auch die Institutionen, die mit diesen Aufgaben betraut sind, Betriebe, Unternehmen, Banken etc.

Allerdings brauchen wir irgendein Kriterium, an dem wir festmachen können, ob unser Handeln sinnvoll ist. So kann es ja sein, dass ein Koch für sein Restaurant viel zu viel Fisch einkauft, so dass dieser verdirbt. Dann wäre der Koch zwar mit knappen Ressourcen umgegangen, aber er hätte an den Bedürfnissen seiner Kunden vorbeigeplant, die gar keinen Fisch bestellt haben. Der verdorbene Fisch hat Geld gekostet, ihn wegzuwerfen geht demnach auch an den Bedürfnissen des Restaurantinhabers vorbei, der von den Gewinnen seines Restaurants leben muss. Zu viel Ware einzukaufen, so dass sie verdirbt, ist also weder für den Kunden noch für den Betrieb gut. Es ist unwirtschaftlich.

Wirtschaftliches Handeln ist dadurch gekennzeichnet, dass wir zur Bedürfnisdeckung mit knappen Gütern umgehen und zwar so, dass es vernünftig, also rational ist. Als rational gilt ein Verhalten dann, wenn es zu einem möglichst guten Verhältnis zwischen Aufwand und Ergebnis führt. In der BWL sprechen wir vom Ökonomischen Prinzip.

Das Ökonomische Prinzip

Handeln Menschen nach dem ökonomischen Prinzip, nennen wir sie rational. Das bedeutet, jemand optimiert das Verhältnis zwischen dem Aufwand, den er betreibt und dem Ergebnis, das er damit erzielt. Und das kann auf insgesamt drei Arten geschehen, die wir allesamt ‚Ausprägungen‘ des Ökonomischen Prinzips nennen. Wir vergleichen dabei immer Output / Input. Diese Grundformel kannst du dir schon mal merken, nach ihr werden eine ganze Reihe Kennzahlen berechnet, v.a. Wirtschaftlichkeit, Produktivität und Rentabilität.

Wir haben also beim Ökonomischen Prinzip zwei Stellschrauben, an den wir Veränderungen vornehmen können: Wie viel Aufwand betreiben wir? Und: Welches Ergebnis wird erzielt? Entsprechend unterscheiden sich die drei Ausprägungen danach, an welcher dieser Schrauben wir drehen.

  1. Maximal-Prinzip: Mit einem vorgegebenen Aufwand soll ein maximaler Ertrag erwirtschaftet werden.
  2. Minimal-Prinzip: Ein vorgegebenes Ziel soll erreicht werden, während der Aufwand dafür minimiert wird.
  3. Extremum-Prinzip: Das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag soll möglichst optimal sein, wobei sowohl Input als auch Output verändert werden können.

Das Maximal-Prinzip

Der Input ist fix, der Output soll möglichst hoch ausfallen. Dieses Prinzip wendest du ganz automatisch an, wenn du dein monatliches Einkommen so aufteilst, dass deine Bedürfnisse möglichst optimal erfüllt werden. Ein Betrieb will bei gleichbleibenden Kosten den Gewinn erhöhen. Ein Bäcker verkleinert den Laib Brot um 10 g, so dass er mit derselben Menge Mehl mehr Brote backen kann.

Das Minimal-Prinzip

Anders als beim Maximal-Prinzip ist hier die Stellschraube der Input, während das Ziel (Output, Ertrag) vorgegeben ist. Ein Student möchte mit minimalem Aufwand die Klausur bestehen. Ein Marketingmanager soll den Umsatz um 10 % erhöhen, während er möglichst wenig Geld für die Kampagne ausgibt. Ein Personalleiter muss aus 350 Bewerbungen einen passenden Bewerber auswählen und das in möglichst kurzer Zeit.

Das Extremum-Prinzip

Bei vielen Entscheidungen haben wir Spielraum sowohl beim Input als auch beim Output. Beispiel: Lernen für die BWL-Klausur. Lernen nach dem Maximal-Prinzip wäre, regelmäßig in die Vorlesung zu gehen und auf eine möglichst gute Note zu hoffen. Lernen nach dem Minimal-Prinzip hieße, möglichst wenig zu tun, solange man noch besteht, also eine 4 als Ziel. Eine dritte Möglichkeit wäre sich zu überlegen, welche Note du mindestens willst und wie viel Aufwand du höchstens betreiben willst und dann nach einem guten Mittel aus beidem zu suchen: Ich lerne jeden Tag eine Stunde und gehe immer in die Vorlesung, dann bestehe ich auf jeden Fall besser als mit 4 und krieg eventuell sogar eine 2.

Unser Koch aus dem Beispiel oben könnte sich ja gefragt haben, was passiert, wenn ein Kunde Fisch bestellt und der Fisch ist aus. Gerade in den Dienstleistungen ist die Kapazitätsplanung ein ständiger Abwägungsprozess. Ware wegzuwerfen kostet Geld, einen Kunden nicht bedienen zu können, kostet aber auch Geld und womöglich verliert man den Kunden dauerhaft. Je nach Art des Restaurants kann es wirtschaftlicher sein, Ware wegzuwerfen als einen Kunden zu verlieren. In einem hochpreisigen Restaurant mit einer sehr kleinen Tageskarte, das mit frischen Produkten wirbt, werden die Kunden eher akzeptieren, dass der Fisch aus ist (weil wir ihn ggfs. einfach von der Tafel mit der Tageskarte wischen, was überhaupt niemand mitbekommt) als in einem á la carte Restaurant, wo man normalerweise erwartet, dass es die Gerichte, die auf der Karte stehen, jederzeit gibt.

Also auch hier wieder: Was ein gutes Ergebnis ist, kann sehr unterschiedlich sein und hängt stark von den Bedürfnissen unserer Kunden ab. Deshalb sollte man mit dem Urteil, jemand sei irrational, sehr zurückhaltend sein. Wahrscheinlich hat die andere Person nämlich einfach nur andere Kriterien für die Beurteilung einer Entscheidung als du. Das eine Unternehmen kauft Diamanten möglichst billig, egal wo die herkommen, um möglichst viel Gewinn zu machen. Das andere Unternehmen verzichtet in diesem Jahr auf eine Diamantschmuck-Kollektion, weil es nicht sicherstellen kann, dass mit den Diamanten keine Kriege finanziert werden. Aus Sicht des ersten Unternehmens handelt das zweite Unternehmen unwirtschaftlich, weil es sich Gewinne entgehen lässt. Wenn das zweite Unternehmen aber eine Positionierung hat, in der Nachhaltigkeit und ethische Verantwortung wichtige Faktoren sind, handelt es innerhalb dieser Strategie völlig richtig.

Das Extremum-Prinzip bedeutet übrigens nicht, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel zu erreichen, auch wenn man das in der Alltagssprache so sagen würde. Mathematisch ist es aber Quatsch, mit möglichst wenige Fischen möglichst viele Fischgerichte zuzubereiten. Wie viele Fische wären denn ein möglichst geringer Wareneinsatz? Null. Und wie viele Fischgerichte kann man damit zubereiten? Null. Möglichst viele Fischgerichte sind aber garantiert nicht Null. Wir brauchen Richtwerte: Maximale Kosten, die nicht überschritten werden dürfen (Achtung: Das ist etwas anderes als eine Budgetvorgabe wie im Maximalprinzip!) und ein Mindestergebnis, das akzeptabel ist (auch hier: nicht eine genaue Vorgabe für das Ziel wie beim Minimalprinzip).

Wert und Menge

Beim Ökonomischen Prinzip wird häufig unterschieden, ob man eine Entscheidung wertmäßig oder mengenmäßig beurteilt. ‚Wie viele T-Shirts schneiden wir aus einem Ballen Baumwolle?‘ ist eine mengenmäßige Beurteilung. Dazu gehören die Begriffe Output (Zahl der T-Shirts) und Input (Menge des benutzten Rohstoffs). ‚In welchem Verhältnis stehen das Geld, das wir verdienen, zu dem Betrag, den wir bezahlen mussten?‘ ist dagegen eine wertmäßige Beurteilung. Dazu gehören die Begriffe Ertrag (Einnahmen aus dem Verkauf der T-Shirts) und Aufwand (Kosten der verbrauchten Baumwolle). Kompliziert wird das Ganze dadurch, dass man für die wertmäßige Beurteilung auch Leistung und Kosten heranziehen kann.

Ob also in der Formel steht: Output / Input, Ertrag / Aufwand oder Leistung / Kosten, die Idee dahinter ist immer das Ökonomische Prinzip. Im Zähler steht immer das Ergebnis der Aktion, im Nenner das, was man (an Ware, Geld, Zeit etc.) reingesteckt hat. Es entstehen allerdings unterschiedliche Kennzahlen, je nachdem, ob wir Mengen oder Werte betrachten. Die mengenmäßige Beurteilung nennen wir Produktivität, die wertmäßige Wirtschaftlichkeit.

So, und jetzt macht Feierabend und genießt den 2. Advent!

Eure Frau Junge

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