Durch den Advent mit BWL, Tag 1: Was mach ich hier eigentlich?

Herzlich willkommen zu meinem diesjährigen BWL-Adventskalender! In 24 Tageseinheiten werden wir uns durch den Stoff der Lehrveranstaltung ‚Einführung in die BWL‘ arbeiten. Natürlich wird das keine erschöpfende Besprechung werden, dafür reichen 24 Türchen nicht aus. Aber wir werden danach eine ganz gute Grundlage an Wissen haben, auf der sich die Studierenden gut auf die Klausur vorbereiten können und alle anderen Leser eine bessere Vorstellung davon haben, was BWLer so lernen und worüber sie selber vielleicht mehr wissen wollen.

So, und jetzt, ohne weiteres Blabla, steigen wir auch direkt ins Thema ein:

 

Was sind Betriebe?

Wie für viele andere Begriffe auch, gibt es für den Begriff ‚Betrieb‘ leider nicht die eine, anerkannte und von allen akzeptierte Definition, sondern verschiedene Sichtweisen darauf, was genau einen Betrieb ausmacht. Vor allem die Abgrenzung der Begriffe Betrieb und Unternehmen ist uneinheitlich, da einerseits Unternehmen als spezielle Form von Betrieben betrachtet werden (wie wir das gleich besprechen werden), und andererseits ein Unternehmen aus mehreren Betrieben bestehen kann (wie es z.B. im Wirtschaftsrecht und in der Betriebserfolgsrechnung zum Ausdruck kommt).

Erich Gutenberg definiert Betriebe als Organisationseinheiten, in denen Produktionsfaktoren zu Gütern kombiniert werden, und zwar unter der Auflage, wirtschaftlich zu arbeiten und jederzeit zahlungsfähig zu sein. Man nennt das die drei systemindifferenten Merkmale, da diese einen Betrieb unabhängig vom Wirtschaftssystem ausmachen:

  1. Kombination von Produktionsfaktoren
  2. Wirtschaftlichkeitsprinzip
  3. Prinzip des finanziellen Gleichgewichts

Auf volkswirtschaftlicher Ebene kennt man das Modell des Wirtschaftskreislaufs. Das einfachste Modell dieses Kreislaufs unterscheidet zwischen Betrieben und Haushalten. Betriebe stellen Güter her und verkaufen diese an die Haushalte. Die Haushalte konsumieren die Güter, die von den Betrieben hergestellt werden, und stellen außerdem den Betrieben ihre Arbeitskraft zur Verfügung. Dafür werden sie bezahlt und von dem Geld können sie die hergestellten Produkte kaufen. In der VWL beschäftigt man sich z.B. damit, wie dieser Kreislauf sich verändert, wenn der Staat eingreift, indem er Löhne und Unternehmensgewinne besteuert, oder was passiert, wenn Geld durch Sparen aus dem Kreislauf herausgenommen wird. Das sind Fragen, die uns in der Betriebswirtschaftslehre nur am Rande interessieren.

 

Wozu gibt es Betriebe?

Für uns ist es interessanter, warum es Betriebe überhaupt gibt. Dort arbeiten Menschen für Geld, das sie brauchen, um die Produkte zu kaufen, die sie selbst hergestellt haben. Klingt irgendwie blöd. Könnten wir die Produkte nicht gleich selber herstellen? Doch. Und das haben die Menschen ja auch lange gemacht. Aber wenn du jetzt mal überlegst, wie viele von den Produkten, die du jeden Tag benutzt, du auch wirklich selber herstellen könntest, dann merkst du schnell: Kochen geht grad noch so, bei Kleidung wird es schon schwierig, und um mein Mobiltelefon selber zu programmieren, müsste ich erstmal lernen, wie man Mobiltelefone baut. Wir können nicht alles selber machen. Weder haben wir die nötigen Fähigkeiten noch die Zeit, das alles zu lernen. Betriebe sind dazu da, dass jeder das Gut herstellt, das er herstellen kann, und dann an Dritte abgibt im Tausch gegen deren Produkte bzw. in unserem Wirtschaftssystem in der Regel im Tausch gegen Geld.

Betriebe sind also Wirtschaftseinheiten, die Güter für Dritte herstellen. Sie werden abgegrenzt von Haushalten, in denen hauptsächlich konsumiert wird. Wenn Haushalte produzieren, dann für den eigenen Gebrauch, z.B. kann man das morgendliche Brötchenschmieren ja durchaus als Produktionsvorgang betrachten. Machst du das für dich: Haushalt. Schmierst du 50 Brötchen und nimmst die mit in die Uni, um sie dort an deine Kommilitonen zu verteilen: Betrieb? Irgendwie nicht, oder? Es muss also noch etwas Anderes geben, das Betriebe für uns interessant macht, als nur die Produktion für Dritte.

Und dabei geht es darum, was du als Gegenleistung für die Brötchen bekommst. Verkaufst du deine Brötchen, so dass du die eingekaufte Ware davon bezahlen kannst und bleibt vielleicht sogar dein eigenes Brötchen als Gewinn übrig? Dann erfüllt dein Betrieb das Kriterium der Wirtschaftlichkeit: Es lohnt sich finanziell. Betriebe, die nach diesem so genannten ‚erwerbswirtschaftlichen Prinzip‘ arbeiten, nennen wir Unternehmen. Sie befinden sich normalerweise in Privatbesitz. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein Unternehmen tatsächlich Gewinn macht. Das Ziel, Gewinn zu erwirtschaften, ist das entscheidende Kriterium, das den Betrieb als Unternehmen kennzeichnet, auch wenn es nicht gelingt, das Ziel zu erreichen.

Es gibt auch Betriebe, die der öffentlichen Hand (Staat, Länder, Kommunen) gehören, Kreis-Krankenhäuser oder der Öffentliche Nahverkehr gehören dazu. Dort werden ebenfalls Leistungen für Dritte angeboten, aber nicht mit dem Ziel, Gewinn zu machen. Das Ziel öffentlicher Betriebe ist es, dass der Bevölkerung die Leistung zur Verfügung gestellt werden kann, ohne dass die Preise zu hoch werden.

So ergibt sich folgende Übersicht:

Wirtschaftssubjekte, Darstellung nach Vahs / Schäfer-Kunz
Wirtschaftssubjekte, Darstellung nach Vahs / Schäfer-Kunz

Selbstverständlich gibt es auch Mischformen. So ist das Unternehmen VW zu 20 % im Besitz des Landes Niedersachsens und zu 80 % in Besitz anderer Unternehmen und privater Aktionäre. Ganz klar stufen wir VW eher als Unternehmen ein, weil es nach erwerbswirtschaftlichen Prinzipien arbeitet, obwohl es z. T. der öffentlichen Hand gehört.

Wir beschäftigen uns in der Betriebswirtschaftslehre also eigentlich mit Unternehmen, den Betrieben in privater Hand, die gewinnorientiert arbeiten. In der Praxis ist es aber so, dass die Modelle der BWL zunehmend auch in öffentlichen Betrieben angewandt werden und durch die Privatisierungswelle der letzten Jahre eine ganze Reihe öffentlicher Betriebe jetzt zumindest teilweise in Privatbesitz sind, wodurch sich die Anforderungen an die Geschäftsführung ändern. Gleichzeitig treten öffentliche Betriebe immer öfter in direkten Wettbewerb zu privaten Betrieben und müssen entsprechend am Kunden ausgerichtet werden.

Kommen wir noch einmal auf Erich Gutenberg zurück. Auch er kennt den Begriff Unternehmen. Nach ihm sind das die marktwirtschaftlichen Betriebe: in privatem Besitz, gewinnorientiert (im Gegensatz zu ‚nur‘ wirtschaftlich, was auch plus-minus Null heißen kann) und in der Lage, weitgehend autonom zu handeln.

 

Arten von Betrieben

Neben der Unterscheidung danach, wessen Bedarf gedeckt wird und wem der Betrieb gehört, gibt es eine ganze Reihe weiterer Kriterien, nach denen Betriebe unterschieden werden können:

  • Das Handelsgesetzbuch unterscheidet Kapitalgesellschaften nach ihrer Größe und berücksichtigt dafür die Mitarbeiterzahl, die Bilanzsumme und den Jahresumsatz.
  • Nach Verarbeitungsgrad der Güter unterscheidet man Gewinnungs-, Aufbereitungs- und Verarbeitungsbetriebe.
  • Man kann Betriebe nach den hergestellten Gütern unterscheiden.
  • Branche
  • Grad der Internationalisierung
  • Rechtsform
  • Fertigungsprinzip / Organisationstyp
  • Wirtschaftssystem (Gutenberg)

Hausaufgabe:

Falls noch nicht geschehen, geh dir einen Adventskalender kaufen. Nein, du bist dafür nicht zu alt! Nimm die ganz billigen mit Milchschokolade, oder gib etwas mehr Geld aus und kauf dir einen mit deiner Lieblings-Süßigkeit. Die gibt’s nicht als Adventskalender? Bastel dir einen. Mach ein Türchen auf, wenn du BWL lernst. Und nimm dieselbe Süßigkeit mit in die Klausur.

Viel Erfolg!

Eure Frau Junge

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3 Gedanken zu „Durch den Advent mit BWL, Tag 1: Was mach ich hier eigentlich?

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