Was ist eigentlich das Problem?

Kennst du den alten Witz: „Was ist der Unterschied zwischen kostenlos und umsonst?“ – „Meine Schulbildung war kostenlos, deine umsonst.“

Im Grunde ist das die beste Erklärung für den Unterschied zwischen Wirtschaftlichkeit und Produktivität, die es gibt. Finde ich. Meine Studierenden haben allerdings oft ganz erstaunliche Probleme, den Unterschied zu verstehen, und das obwohl sie die Formeln meistens kennen. Die sind auch nicht schwer:

Wirtschaftlichkeit = Ertrag / Aufwand

Produktivität = Output / Input

Es gilt außerdem: Ertrag = Output * Preis und Aufwand = Input * Kosten

Wirtschaftlichkeit wird also fast genau so berechnet wie Produktivität, nur dass man bei der Produktivität die Preise und Kosten der produzierten Güter ignoriert. Die Wirtschaftlichkeit sagt uns, ob sich die Herstellung unseres Gutes finanziell lohnt. Die Produktivität ist dagegen eine Kennzahl für Ressourcen-effizientes Arbeiten. Wirtschaftlich sind per definitionem alle Vorgänge, deren Ergebnis mindestens 1 ist. Produktiv ist man immer, außer man macht nichts. Die Beurteilung der beiden Kennzahlen schauen wir uns in einem anderen Post an, hier soll es ja um den Unterschied bei der Berechnung gehen. Aber was ist denn nun so schwierig daran? Bislang klingt das doch ganz simpel?

Umgang mit Begriffen

Gerade für Anfänger ist es eine echte Herausforderung, Formeln korrekt anzuwenden, wenn plötzlich andere Begriffe drinstehen. Wirtschaftlichkeit z.B. kann man auch so berechnen: Einnahmen / Ausgaben.

Der Unterschied zwischen Einnahmen und Erträgen sowie Ausgaben und Aufwendungen ist  für einen erfahrenen Kaufmann klar. In dem Moment, in dem alle Einnahmen Erträge sind und alle Ausgaben Aufwendungen, wäre sogar das Ergebnis dasselbe. Manche Erstis geraten aber in Panik, wenn sie die Formel mit Erträgen lernen, und dann z.B. in der Frage in der Klausur Preise genannt werden. Dass die Erträge aus den Preisen berechnet werden, müssen sie sich noch mühsam bewusst machen, und das stresst manche.

Aber es geht in der Einführungsveranstaltung eben genau darum: Dass du die Begriffe kennen lernst und miteinander in Beziehung setzen kannst. Die Grundidee ‚Geld rein – Geld raus‘ versteht man spätestens, wenn man die Eltern um einen Vorschuss auf’s Taschengeld anhauen muss, weil man mehr Geld ausgegeben hat, als man vorher eingenommen hat. Dieses Prinzip bleibt dasselbe, egal wie man die Gelder nennt, die rein oder raus gehen.

Geht denn nun das Geld rein – oder raus?

Der zweite Punkt hat zwar auch irgendwie mit dem Kennen der Begriffe zu tun, aber vor allem mit dem Verstehen, was wir tun als Betriebswirte. Nämlich: Was bedeutet im Prozess der Leistungserstellung Output, und was meinen wir mit Input? Ein beliebter Fehler in der Klausur ist, es genau falsch herum zu machen, nämlich Output / Input zu übersetzen in: was rausgeht (Geld) / was reinkommt (irgendwas anderes). So kann man dann weder Wirtschaftlichkeit noch Produktivität korrekt berechnen. Richtig muss es heißen:

was rauskommt (aus der Produktion) / was reingeht (in die Produktion)

Produktivität: Wie viele Einheiten unseres Produktes stellen wir her? / Wie viel Material (oder: Arbeitsstunden, Fläche etc.) wenden wir dafür auf?

Wirtschaftlichkeit: Wie viel Geld setzen wir damit um? / Was hat der Kram gekostet?

Wer mit ein paar Zahlen herumexperimentieren möchte, kann auf dieser Seite Produktivitäten berechnen. Das ist übrigens ein ganz wichtiger Punkt zur Vorbereitung auf die Klausur: Lerne nicht nur die Formel auswendig, rechne auch ganz viel, damit du ein Gespür für die Zahlen bekommst.

Viel Spaß dabei!

Frau Junge

Buchtipps:

Thommen, J.-P. & Achleitner, A.-K. (2009) Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 6. Auflage, Wiesbaden: Gabler, S. 120.

Vahs, D. & Schäfer-Kunz, J. (2012) Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 6. Auflage, Stuttgart: Schäffer-Poeschel, S. 40-41 (mit Rechnenübung).

3 Gedanken zu „Was ist eigentlich das Problem?

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